7. Dezember 2012

Erlebnisse mit schwierigen Teilnehmern

Im Laufe meiner Tätigkeit als Trainer / Dozent, hatte ich immer mal wieder Erlebnisse mit Teilnehmern, die weniger schön waren. Da diese Erlebnisse für mich sehr aufregend waren, schreibe ich sie hier nieder um ggf. Feedback zu bekommen oder Kommentare einzuholen. Namen, Orte und Bildungsträger werden nicht genannt.



Austicken im Bewerbungstraining

Erlebnis Eins, an welches ich mich noch sehr gut erinnern kann, war im Jahre 2011 im Bewerbungstraining außerhalb von Hamburg. Wir hatten eine sehr gemischte Gruppe von Teilnehmern mit den unterschiedlichsten Biographien und Schicksalen. Einer der Teilnehmer reagierte sehr schnell sehr empfindlich auf Äußerungen, die er auf sich bezog und als Kränkung auffasste. Oft war das leider ein Missverständnis seinerseits, für uns nicht wirklich steuer- und vorhersehbar.

An dem einen speziellen Tag bekam er deutliche Sprüche von einer Teilnehmerin um die Ohren worauf hin er quasi durchdrehte und völlig empört reagierte. Er wurde immer hektischer in seiner Aussprache und Lautstärke und fühlte sich ungerecht behandelt und angegriffen.
Die restlichen Teilnehmer waren still, meine Chefin versuchte rhetorisch ihn zu beruhigen, ich maß in Gedanken schon die Schritte, die ich brauchen würde um ihn von der Teilnehmerin abzuhalten, denn ich erwartete einen tätlichen Angriff.
Dieser erfolgte nicht, der Teilnehmer beruhigte sich oder ging, ich weiß es nicht mehr. Am nächsten Tag war er krank gemeldet. Da ich meine Chefin mit im Raum hatte, war ich eher Co-Moderator. Meine Anspannung nach diesem Vorfall verflog erst langsam.


In 2012 hatte ich zwei Erlebnisse, die weniger schön waren.


Frust ablassen für Anfänger

Ein Teilnehmer, der schon durch Desinteresse auffiel, wurde an einem Tag besonders deutlich.

Vorgeschichte:

Als Trainer führen wir eine Anwesenheitsliste welche morgens und abends von den Teilnehmern abgezeichnet werden soll. Erscheinen sie verspätet, also z.B. ab ca. 08:15, gilt das als unentschuldigtes Fehlen für den Vormittag.
Da dieser spezielle Teilnehmer während der ganzen ersten Woche schon durch häufiges Verspäten, Abwesenheit vom Unterricht und aktives Nichtmitarbeiten auffiel, kam es auch dazu, dass er morgens von mir einen Strich erhielt, weil er zu spät war.
Abends bemerkte er dies und unterschrieb über den von mir gemachten Strich und maulte leise vor sich hin.



Als er von einer Teilnehmerin auf den hingeworfenen Zettel angesprochen wurde, wurde er laut:
Sinngemäß aus der Erinnerung zitiert:
"Da musst du unseren Trainingsleiter fragen, der ist dafür zuständig."

Mit erhobenem Zeigefinger zu mir gewandt:
"Ich war nur zu spät weil die S-Bahn Verspätung hatte, das wussten Sie."
"Wenn Sie so anfangen, bekommen wir Ärger miteinander."

"Wenn Sie glauben, Sie können somit Erwachsenen Menschen umgehen, dann ..." Das Wort fehlt mir.
"So nicht mein Freund."
Seine Stimme wirkte hier schon bedrohend auf mich.
Meine Antwort: "Wir sind keine Freunde."
Er reagierte nicht auf Ansprachen und war für Erklärungen meinerseits nicht zugänglich. Meine Empfehlung, dass mit der Lehrgangsleitung zu klären, lehnte er ab mit den Worten:
"Das können wir auch intern regeln."

Seine Stimme war laut und wirkte aggressiv und bedrohlich. Es fehlen noch einige Aussagen mit unfreundlich wirkendem Inhalt, an die kann ich mich nicht mehr erinnern.

Am nächsten Tag fehlte er unentschuldigt.
Ich blieb bei diesem Dialog nach außen hin eher ruhig, innerlich mal wieder angespannt. Sowas kommt zum Glück eher selten vor. Nach diesem Zwischenfall ging ich zur Lehrgangsleitung und erstattete Bericht, quasi um seiner Beschwerde schon vorzubeugen und die Lehrgangsleitung nicht unvorbereitet zu lassen. Der Teilnehmer erschien aber nicht bei der Leitung und auch später sprach er mit niemandem mehr darüber.

Ob meine Reaktionen sinnvoll waren, mag ich nun nicht mehr bestätigen. Hinterher ist man ja immer schlauer. Im Groben blieb ich eher ruhig und lies in reden. Er hat gebellt und nicht gebissen.

In der nächsten Woche kam er, verspätet, in den neuen Kurs und stand vor vollem Raum und entschuldigte sich bei mir mit den Worten: "Falls ich mich letzte Woche im Ton vergriffen habe, tut es mir leid. Ich möchte mich dafür entschuldigen." Ich nahm das mit einem Ok an.
Er nannte noch einige Gründe, die schon Frust und Streß hervorrufen können, dennoch sein gesamtes Verhalten nicht rechtfertigen.






Ich bin ein schlechter Dozent

An einem neuen Kursstart gab es morgens Verwirrungen, wer in welchen Raum sollte. Einige Teilnehmer gingen in die Räume, wo sie den Tag zuvor waren, was an diesem Tag nicht mehr passte. So kam es, dass ein völlig überfüllter Raum auf mich wartete und einige Teilnehmer stehen mussten. Wir improvisierten mit eilig rangeschafften Tischen und Stühlen, PC wurden nachgeliefert. Und ein Kollege prüfte, welcher der Teilnehmer überhaupt in diesem Raum sein sollte. So reduzierte sich der Überhang auf zwei Teilnehmerinnen. Diese waren, vermutlich ob der Verunsicherung, leicht verärgert. Und es dauerte, bis sie vernünftig sitzen konnten. Als dann ab dem zweiten Block Tisch, Stuhl und PC da war, musste ich die Teilnehmerin bremsen, den PC während des Unterrichtes aufzubauen, da dies zum einem nur der Admin machen darf und zum Anderen durch die Geräusche störte.
Die Laune der Teilnehmerin wurde dadurch nicht gefördert.
Später lief dann alles, alle konnten arbeiten. Nicht so meine Teilnehmerin. Sie gab ihrer noch andauernden Verärgerung Ausdruck durch Fragen, welche in einem aggressiven Ton gestellt wurden, dass ich wenig motiviert war, diese überhaupt zu beantworten. Je aggressiver sie fragte, desto kürzer wurden meine Antworten. Zum Teil auch, weil ihre Fragen durchaus selbst beantwortet hätten werden können, hätte sie einfach mal ausprobiert.
Sie wurde immer penetranter und lauter, die Fragen immer frecher und aggresiver, auch die leiseren Kommentare wurden deutlicher. So stand ich schließlich auf, sagte zu ihr:
"Sie kommen jetzt bitte mal mit."
Es folgten einige Kommentare ihrerseits, ich verließ den Raum. Hier folgte sie nach einigem Zögern und rief dann laut durch den Flur, wo ich den sei. Viel Wahl gab es nicht, der Flur führte nur zum Treppenhaus.
Als sie endlich den Weg zu mir fand, ging es sofort los:
Sie holte weit aus, was für ein unmögliches Benehmen ich an den Tag legen würde, das es eine Frechheit sei, wie ich alle Teilnehmer behandeln würde, der ganze Kurs würde über mich reden, ein anderer Kollege wäre viel freundlicher, sie würde absichtlich ihren Ton ändern, wenn der Dozent nicht reagieren würde, ich solle alle wie Erwachsene behandeln und mich auch so benehmen, was ich mir einbilden würde usw. usw.
Lautstärke und Ton waren meiner Meinung nach einer Diskussion nicht angemessen, zu Wort kam ich eh nicht, ich musste schon mit Gewalt gegen die Teilnehmerin anreden, um überhaupt eine Frage stellen zu können, was mir nur zweimal gelang. Mehrfach wollte sie einfach gehen, ich sagte ihr, dass wir noch nicht fertig seien, ich hätte noch Fragen, worauf hin ihr Monolog lautstark weiterging. Zu Wort kam ich nicht.
Ein Kollege ging kurz durch den Flur und beeilte sich, der Szene zu entkommen. Nach ca. 5 Minuten Monolog der Teilnehmerin ging sie wieder in den Schulungsraum und ich zur Leitung des Schulungsinstitutes und erstattete Bericht. Dort teilte man mir mit, dass die Frau bekannt ist, auch andere Kollegen kannten sie als sich ständig beschwerende Teilnehmerin der man es nicht recht machen konnte. Ich musste noch nicht einmal ihren Namen nennen, und die Kollegen wussten, von wem ich redete.

Später erhielt ich viele sinnvolle Tipps, wie ich hätte reagieren sollen, z.B. "So müssen wir nicht miteinander reden." und dann selbst gehen. Allein das klare Denken fällt mir in so einer Situation schwer. Selbst bin ich dann zu gut erzogen um jemanden zu unterbrechen.

Zusammenfassung oder Resümee

Da ich Dozent und kein ausgebildeter Pädagoge bin, handele ich sicher nicht immer perfekt oder 100% angemessen. Oftmals, allein wegen der puren Überraschung, eher instinktiv. Die Situationen sind gut ausgegangen, dennoch keine Freude gewesen. Hinterher ging es mir meist nicht wirklich gut, ich fragte mich, ob und/oder was ich vielleicht falsch gemacht hatte und ob ich anderes hätte reagieren sollen.
Man soll ja aus Fehlern lernen, viele gute Ratschläge kommen dann  NACH so einer Situation, jede ist anders. Viel Glück.

Am 21.08.2012 kam via Twitter ein Link zu einem tollen Blog-Beitrag, der mir geholfen hätte. Thema: Angriffe im Gespräch umlenken. Hier der Link


Kommentare:

  1. Solche Erfahrungen wird man doch immer wieder machen. Ich denke nicht, dass es hier nur am Dozenten liegt. Sondern schon stark am Teilnehmerkreis!

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    1. Danke für das Feedback. Ja, es war sicher auch das Klientel oder eher die speziellen Teilnehmer. So lerne ich immer was dazu. Auch der Umgang mit schwierigeren Menschen muss gelernt bzw. gekonnt sein. ;-)

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  2. Danke für Ihre offenen Erfahrungsberichte! Sie sind leider im Internet eher selten und daher umso wertvoller. So kann ich meine Erfahrungen vergleichen und fühl mich weniger "alleine", wenn mal was nicht so geklappt hat, wie ich es mir wünschte.

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